Elsass - ein Land zwischen Frankreich und Deutschland

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Tagebuch von Erhard Obermeyer: Studienreise des CC von 17. bis 23. September 2018 ins Elsass

Studienreise des Civilclubs vom 17. bis 23. September 2018 unter der Leitung von Dr. Renate Düttmann-Braun mit 24 Reiseteilnehmern und dem Busunternehmen Elpers aus Nottuln

Persönliches Vorwort: Die Elsass-Studienfahrt des Civilclubs war für mich eine Reise in die eigene Vergangenheit. 1957, Oberprima in Herford, eine Auslandsfahrt war angesagt und zwar nach Frankreich. „Oh Paris“, verlockten wir, „nein“, sagte unser Klassenlehrer, „die Fahrt geht ins Elsass.“ Warum? Weil das Elsass für ihn mit dem wichtigsten Datum der deutschen Geschichte verbunden war: 1681 Raub Straßburgs durch Ludwig XIV. Das Elsass damals war mit dem Elsass der Gegenwart nicht vergleichbar, es war herunter gekommen, dreckig, unattraktiv. Noch Folgen der deutschen Besatzung seit 1940? Das Einzige, das auch damals gut war, war der Rotwein. Wobei der Begriff „Raub“ nicht so eindeutig ist, wie er klingt, denn Habsburg hatte im Westfälischen Frieden seine elsässischen Rechte aufgegeben. Dieses Elsass wechselte mehrfach seine Zugehörigkeit, 1871 wurde es zusammen mit Lothringen vom neuen Deutschen Reich annektiert. 1918 mit dem verlorenen Kriege wurde es selbstverständlich wieder Frankreich zugeschlagen, bis es 1940 wieder deutsch wurde. Immerhin sind die Bewohner nicht wie 1945 in den früheren deutschen Ostgebieten vertrieben worden. Soviel kurz zur Geschichte.

Erste Station bei Saarbrücken, genauer gesagt „Quierschied“: Unsere lokale Gästeführerin stieg hier zu, Britta Hess, die uns vor zwei Jahren Richtung Verdun auch schon geführt hatte. So gab es denn für einige ein Wiedersehen.

Das Schiff fährt Aufzug – und wir fahren mit
Besichtigung des Schiffshebewerks in Saint-Louis Arzviller – „Incliné“ ein wuchtiger Schrägaufzug überwindet 44 Meter Höhenunterschied auf dem Rhein-Marne-Kanal und das in einer 41prozentigen Steigung. Was 1969 für die Frachtschifffahrt errichtet worden war (heute kommt pro Monat gerade einmal ein Frachtschiff), dient heute den Freizeitkapitänen, dort „Vergnügungsbootfahrer“ (englisch immerhin Yachtmen) genannt, in Frankreich benötigt man für den Betrieb der Boote keinen Bootsführerschein. Ein beeindruckendes Technik-Denkmal, das uns einmal in die Tiefe beförderte und dann wieder nach oben. Dieser Schrägaufzug ersetzte 17 Kanal-Schleusen aus dem 19. Jahrhundert. Natürlich war dieser Programmpunkt von der Reiseleiterin mit einem Augenzwinkern eingebaut worden, denn auf unserer Masurentour sind wir ebenfalls per Schiff über den Berg gefahren.

Hotel als ehemalige Poststation?
Abends dann unser Quartier in Colmar, genauer gesagt im Außenstadtteil Bischwihr, Hotel „Le Relais du Ried“, kann man übersetzen mit Station (Poststation) in der (Rhein-)Aue, das Wort Ried ist verwandt mit dem deutschen Reet. Das Hotel war okay, morgens musste man mit dem Frühstücksei jonglieren, das individuell in einem großen Topf mit heißem Wasser „gekocht“ wurde.
Einziger Nachteil: In unserem Speisesaal heizte sich die Lautstärke derart auf, dass man schließlich nach dem Essen flüchten mochte, abends nach nebenan in einen kleinen gemütlichen Absacker-Raum. Kurios die Aufbewahrung der altmodisch dicken Zimmerschlüssel: Es gab ein offenes Regal, das für jedermann zugriffig war.
Im Hotel lag eine elsässische Zeitung aus – „DNA, Dernières nouvelles d`Alsace“ mit – und das war das eigentlich Bemerkenswerte - einer deutschsprachigen Beilage.

Colmar ist nicht die größte Stadt des Departements, das ist Mulhouse, aber Sitz der Verwaltung. Und Colmar, eine Blumen geschmückte Stadt mit vielen interessanten Fachwerkhäusern, beherbergt eines der bedeutendsten Museen der Welt, das Unterlinden-Museum mit dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald, doch davon später. Colmar verführt regelrecht zum Bummeln und Flanieren, dementsprechend ist die Stadt von Touristen überlaufen.

Madonna von Martin Schongauer
Eine Kostbarkeit verbirgt sich in der Dominikanerkirche: Die weltberühmte Madonna im Rosenhag von Martin Schongauer (1445 bis 1491), die 1473 gemalt wurde, wie auf der Rückseite vermerkt ist. Diese Ikone der Kunstgeschichte ist seit 1973 in der Dominikanerkirche zu sehen, nachdem sie 1972 aus dem ursprünglichen Ort gestohlen wurde. Natürlich beherrscht die Würde und Schönheit dieses Schatzes die gotische Kirche. Übrigens wurde Martin Schongauer wegen seiner delikaten Malkunst von den Zeitgenossen auch „Martin Schön“ genannt.

Wein-Dégustation mit Donnergrollen
Nachmittags ging`s nach Sigolsheim zur Weinverkostung auf dem Weingut „Meyer-Krumb“, dessen charmante Chefin Aurélie uns einen Wein nach dem anderen kredenzte, unterstützt vom hilfsbereiten Fahrer Jürgen Stobbe. Später kam auch noch der Seniorchef Fernand hinzu. Sie versorgte uns aber auch mit Informationen. So wird zuhause in der Familie nur Elsässisch gesprochen, Deutsch lernen die Kinder ab drei Jahren, also bereits im Kindergarten. Das berühmte elsässische Sauerkraut kommt einmal in der Woche auf den Tisch, sonst wird natürlich auch der Flammkuchen gegessen. Bei leckeren Weinen und netter Unterhaltung ging ein grollendes Gewitter hernieder – Chapeau für das Timing, liebe Reiseleiterin! Übrigens bekannte der Vater, dass für ihn Deutsch schreiben und lesen schwierig sei. Natürlich konnten abschließend auch Weine gekauft werden, wovon u. a. Präsident Johannes Krause-Isermann Gebrauch machte, der ein Gebinde als Abschlussgeschenk für die Reiseleiterin erstand.

Durch die deutsch-französische Sprachmischung entstanden gelegentlich kuriose Kreationen: So zeigte in Colmar ein Verkehrsschild einen „Saufbus“ an – musste man natürlich trennen, so dass das Schild bedeutete: Sperrung „außer Bus“. Und in Kaysersberg war eine „Ditschagassl“ angezeigt, also eine Deutschengasse.

Münster und der Munster-Käse
Dann stand der berühmte Munster-Käse auf dem Programm, und zwar in Hohrod in der Käserei „Versant du Soleil“ von Jérome Madher, einsam in den Vogesen gelegen, eine der letzten bäuerlichen Käsereien. Der Chef demonstrierte uns die verschiedenen Schritte, die aus der Rohmilch den intensiv riechenden und schmeckenden Käse entstehen lassen. Witzig war, dass wir auch die Vorstufe zum Käse besichtigen konnten, Kühe und Kälber. Die Kühe verbringen den Sommer auf der Höhenalm, was vor der Motorisierung langwierige Auf- und Abstiege bedeutete. Zehn Liter Milch ergeben ein Kilogramm Käse, pro Tag schafft er 40 bis 100 Stück große runde Laibe. Was geschieht mit der anfallenden Molke? „Die geht in die Kosmetikbranche.“ Das Vogesenrind bezeichnete der Bauer als sehr robust, er hält aber auch Holsteiner quasi zum Streicheln. Schließlich gehörte natürlich auch die Verkostung zu diesem Käsebesuch. Ergebnis für mich: Ich bleibe beim Gouda.
Zum Mittagessen mit dem Bus unterwegs auf der Route des Crêtes, auf der Kammstraße der Vogesen, im Ersten Weltkrieg von französischen Militärs angelegt, um eine Verbindung zwischen den Tälern der Vogesenfront herzustellen. Heute eine der schönsten Panoramastraßen Europas, zwischen steil aufragenden Bergen und krass abfallenden Tälern mit Seen tief unten am Fuß. Die Fahrkunst unseres Fahrers wurde voll gefordert. Aber sein Navi fand das Ziel nicht, die „Ferme Auberge du Treh“, er musste kehrt machen und dann geradezu abenteuerlich in einen schmalen Weg einkurven, nachdem ihm Professor Klaus Ott mit seinem Smartphone und Google Map den richtigen Weg gewiesen hatte – Bravo! Bei wunderschönstem Wetter konnten wir auf der Terrasse sitzen und dabei die akrobatischen Verrenkungen von Paraglidern bewundern. Das Essen nannte sich Melkermenü, deftig zweifellos.

Zum höchsten Berg der Vogesen
Weiter auf der Kammstraße zum Grand Ballon (zum Großen Belchen), mit 1424 Metern dem höchsten Berg der Vogesen. Reiseleiterin Renate hatte gutes Schuhwerk zur Pflicht gemacht und kontrollierte das auch, worauf der Präsident noch mal ins Hotel geschickt wurde. Wohlweislich, denn die letzten paar hundert Meter mussten wir auf einer Schotterpiste steil aufwärts steigen, bis schließlich die Höhe erreicht war. Hier bauten wir uns auf zum Erinnerungsfoto, im Hintergrund das 1927 errichtete Denkmal für die „Diables bleus“, ein Gebirgsjägerbataillon aus dem Ersten Weltkrieg. Diese Erinnerung war den Nazibesatzern von 1940 ein Dorn im Auge, sie zerstörten das Denkmal, das dann 1960 wieder hergestellt wurde. Nicht weit davon regelt seit 1997eine zivile Radarstation den Luftverkehr. Von hier oben schweift der Blick weit in die tiefen Ebenen.

Französisch-deutsche Erinnerungskultur
So ganz anders die Erinnerungskultur am Hartmannsweilerkopf – Frankreich und Deutschland tragen sie gemeinsam, 2017 weihten beide Staatspräsidenten Museum und Gedenkstätte ein. 1921 bereits hatte Frankreich das Schlachtfeld auf dem 956 Meter hohen Gipfel als nationale Erinnerungsstätte unter Schutz gestellt. Staatspräsident Emmanuel Macron: „Wir wollen ein gemeinsames Geschichtsbild aufbauen, weil es die Basis einer gemeinsamen Zukunft ist.“ Deutsche und französische Truppen haben sich hier im Ersten Weltkrieg erbittert bekämpft, strategisch ohne Belang, Frankreich ging es aber ums Prestige. Dieser Berg wechselte achtmal den Besitzer, berichtete unser Führer, die Zahl der Opfer wird auf 30 000 beziffert – auf beiden Seiten.
Von der Höhe der Gedenkstätte geht der Blick über einen Friedhof mit tausenden von Kreuzen, dahinter beginnen am Berg die Laufgräben, mit rostigem Stacheldraht durchzogen – ein grausiger Hauch der Geschichte packt einen. Die Erinnerungsstätte weist eine Art Krypta auf, die die deutschen Besatzer sprengen wollten. In letzter Minute wurde der Befehl rückgängig gemacht – schließlich könnten in der Krypta auch deutsche Soldaten liegen. Der Führer wies uns auf bereits angebohrte Sprenglöcher hin. Auf der Kuppel der Erinnerungsstätte erinnert ein Block an einen Altar, was nicht ganz unangemessen ist, denn es hieß seinerzeit auch: Auf dem Altar des Vaterlandes geopfert.

Bei Albert Schweitzer zuhause
Kontrastprogramm: Besuch in Kaysersberg, einem Städtchen mit gerade einmal 5000 Einwohnern, aber unwahrscheinlich pittoresk, altertümlich konserviert, vielleicht vergleichbar mit Rothenburg in Deutschland. Kaysersberg hat einen berühmten Sohn hervorgebracht – Albert Schweitzer (1875 bis 1965), ein Multitalent, Theologe, begnadeter Orgelspieler und Bachspezialist, bedingungsloser Pazifist, der aber vor allem als „Urwalddoktor“ von Lambarene weltbekannt geworden ist. Für diese aufopferungsvolle Tätigkeit wurde er 1952 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Von Schweitzer und Lambarene gibt es eine direkte Verbindung nach Münster: Hier wirkte ein Nachfolger, der Kinderarzt Professor Dr. Hermann Mai, der nach seiner Emeritierung unentgeltlich in Lambarene arbeitete und so das Hospital vor dem Zusammenbruch rettete, bis der Staat Gabun es übernahm. Nach Albert Schweitzer ist ja auch der Medizin-Campus der Universität benannt.

Ein weiteres Städtchen, wie gemalt für Touristen – Riquewihr (Reichenweier), nur 1200 Einwohner, aber mit dem höchstem Fachwerkhaus der ganzen Region, „Le gratte Ciel“, also Himmelskratzer. Auch dieses Städtchen könnte man als elsässisches Rothenburg bezeichnen. Eine Freiheitslinde erinnerte an die französische Revolution.

Dann gab es ein kurioses Intermezzo, unsere Gästeführerin Britta musste nach dem Weg fragen, der Busfahrer ließ sie aussteigen und umrundete dann mehrfach einen der zahlreichen Kreisverkehre, weil er nirgendwo parken konnte, bis Britta mit der erhaltenen Auskunft wieder einsteigen konnte.

In der Heimat des Sauerkrauts
Wir fuhren auf der Sauerkrautstraße – Route de la Choucroute – nach Krautergersheim, Nomen est Omen. Hier erlebten wir eine Führung durch eine Sauerkrautfabrik, die von einer Familie in der fünften Generation betrieben wird. Diese Fabrik stellt pro Jahr rund 5000 Tonnen Sauerkraut her, wofür 10 000 Tonnen Weißkohl verarbeitet werden müssen. Was wir natürlich alle nicht wussten, dass das Elsass die bedeutendste französische Region für Sauerkraut ist. Und dabei wurden im Ersten Weltkrieg die Deutschen von den Franzosen als „Krauts“ beschimpft. Die „Köhle“ wachsen auf weiten Feldern, und die Stecklinge für die Köhle kommen ausgerechnet aus Holland. Und wir mussten natürlich auch Sauerkraut probieren, dem allerdings eins fehlte – der Geschmack.
Aufschlussreich war ein Einführungsfilm, der zunächst die alte handwerkliche Methode demonstrierte.

Und genauso haben wir nach dem letzten Krieg Sauerkraut produziert: Es gab einen Hobel, mit dem der Kohlkopf über dem Messer hin und her gewetzt wurde. Die Kohlstreifen wurden in einen Tontopf gefüllt, gesalzen, mit einem Holzdeckel versehen, der mit einem dicken Stein belastet wurde. Diese Prozedur wurde unter dauernder Kontrolle mehrfach wiederholt, bis das Sauerkraut tafelfertig war.

Straßburg – europäische Weltstadt
Straßburg, Europastadt und Hauptstadt der Region: Von weither winkte schon der Zeigefinger Gottes, der 142 Meter hohe Turm des Straßburger Münsters, lange Jahre das höchste Gebäude der Welt. Zunächst wurde das Europäische Parlament besucht, in dem leider keine Sitzung stattfand. Aber schon das Gebäude ist auch ohne Abgeordnete sehenswert. Aufschlussreiche Information: Die Redebeiträge werden in 24 Amtssprachen übersetzt, darunter auch ins Gälische für die Iren und ins Moselfränkische für die Luxemburger. Die Simultandolmetscher müssen schon wahre Herkulesaufgaben verrichten. Englisch bleibt übrigens auch nach dem Brexit Amtssprache. Noch eine Kleinigkeit, aber eine wichtige: Der Notruf 112 gilt europaweit. Die Führung hier hatte allerdings eher Schülerniveau.

Natürlich konnten wir die Schönheiten Straßburgs genießen, mit den Augen und mit der Zunge. Das Münster ist einfach atemberaubend in seinen himmelwärts strebenden Dimensionen, nicht umsonst Teil des Weltkulturerbes. Übrigens war das Münster 470 Jahre lang eine evangelische Kirche. Gestaunt haben wir über die Ill, den wasserreich rauschenden Hausfluss mit Booten und malerischen Vierteln an den Ufern, darunter auch das Gerberviertel und die „Place Gutenberg“, die man hier nicht vermuten würde mit einem monumentalen Denkmal, 1845 zur 400-Jahr-Feier des Buchdrucks errichtet. Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, weilte von 1434 bis 1444 in Straßburg, arbeitete hier aber nicht am Buchdruck, sondern stellte Wallfahrtsandenken her, immerhin schon aus einer Blei-Zinn-Legierung. Gern gezeigt wird La „Petite France“, angeblich stammt der Name von der Syphilis, die hier behandelt wurde, damals auch Franzosenkrankheit genannt.
In Straßburg besuchten wir zudem eine Simultankirche, für Protestanten und Katholiken, die Kirche St. Peter der Jüngere, (was natürlich begrifflicher Unsinn ist). Seit Ludwig XIV. wurden beide Konfessionen durch den großen Lettner getrennt, die Katholiken feierten im Chorraum die Messe, die Protestanten im Langhaus ihren Gottesdienst. Allerdings ist diese vorbildliche Gemeinsamkeit Geschichte, denn die Katholiken haben längst ihre eigene Kirche gebaut.
Natürlich machte Uhrenspezialist Bernd Mosel wieder einige Ausführungen zur Domuhr, die allerdings wegen Renovierung verhüllt war.

Denkmal der weinenden Mutter Elsass
Was leider nur im Vorbeifahren an uns vorbei rauschte, war die „Place de la République“, mit den vollständig erhaltenen Prachtbauten in „La Neustadt“, eher wilhelminisch anmutend, was auch richtig ist, denn das deutsche Kaiserreich drückte nach 1871 der Stadt seinen architektonischen Stempel auf, den Raum dafür hatten die preußischen Kanonen im deutsch-französischen Krieg geschaffen, u.a. am damaligen Kaiserplatz, ein Detail, das in den Geschichtsbüchern nicht zu finden ist, aber eine filmische Dokumentation auf der Heimreise klärte uns darüber auf. Auf dieser Place de la République steht ein anrührendes Denkmal – die „weinende Mutter Elsass“ in der Form einer Pietà mit zwei toten Söhnen im Arm, der eine ist für Frankreich gefallen, der andere für Deutschland. Besser kann man das zerrissene Schicksal des Landes nicht darstellen.

Eine wunderbare Ergänzung lieferte Präsident Johannes, nämlich über Martin Bucer (1491 bis 1551), der als Reformator in Straßburg wirkte. Straßburg sei auch eine Schnittstelle der Täufer gewesen, die wir ja aus Münster als Wiedertäufer kennen. Nach den Ausführungen des Präsidenten hat der Reformator Bucer 1539 die Konfirmation eingeführt, als protestantisches Gegengewicht gegen die Erwachsenentaufe der Täufer. Bucer hat sich stets als Vermittler zwischen den Reformatoren Luther und Zwingli betätigt. Es gibt übrigens in Münster eine Bucer-Forschungsstelle an der Evangelisch-Theologischen Fakultät.

Scharfer Kontrast: In Mulhouse erwarteten uns das Automuseum von Schlumpf oder auch Bugatti-Museum und das Stoffdruckmuseum, so dass sich unsere Reisegruppe aufteilen musste. Eine schier endlose Reihe von Oldtimern aller großen europäischen Marken, angefangen Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart hinein. Hier steht dann nicht ein alter Citroen oder Renault, sondern gleich eine ganze Batterie. Paradox – diese nicht endende exquisite Vielfalt wirkte auf die Dauer eintönig. Das Stoffmuseum gilt als wichtigstes Textilmusterzentrum der Welt.

Die Faszination des Matthias Grünewald
Schließlich ging es ein zweites Mal nach Colmar, denn wir hatten ja die Ikone der Kunst, den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald noch nicht besucht. Auch nach mehrfacher Besichtigung verlieren diese Bilder nichts von ihrer Faszination und Wucht, kein Wunder, dass das Museum Unterlinden nach dem Louvre die zweithöchste Besucherzahl in Frankreich aufweist. Die Darstellungen der biblischen Botschaften springen einen förmlich an, dabei ist der Maler im 16. Jahrhundert durchaus eigenwillig mit der Botschaft umgegangen. Leider, muss ich sagen, ist dieses Museum vor ein paar Jahren erweitert worden, um ein weiteres historisches Gebäude mit Ausstellungen sakraler Kunst. Der einzigartige Rang des Isenheimer Altars wird dadurch verflacht.

In Colmar gibt es noch ein Kuriosum: Die Freiheitsstatue auf einem Kreisverkehr, denn in Colmar war der Künstler zuhause, der die 1886 eingeweihte Liberty für New York schuf, Auguste Bartholdi. Zu seinem 100. Todestag wurde die 12 Meter hohe Nachbildung (das Original ist 46 Meter hoch) geschaffen und auf einen Kreisverkehr gesetzt. Unser Busfahrer umrundete mehrfach diese kuriose Inszenierung, damit wir von allen Seiten fotografieren konnten.
Auf der Rückfahrt am Sonntag machten wir noch Station in Obernai – auch hier wieder der Eindruck, dass jemand vor 200 Jahren oder so den Schalter umgelegt haben müsste, um eine weitere Entwicklung des Städtchens nicht weit von Straßburg zu verhindern.


Die Verleihung des „Hansi“
Unser Präsident Johannes Krause-Isermann ist stets für erfrischende Ideen gut: Den Dank zum Abschluss der Reise verband er mit der „Hansi“-Verleihung. Hansi ist eine Art Symbolfigur für die Verbundenheit mit Frankreich, zugleich mit antideutscher Haltung, in Colmar gibt es ein Hansi-Museum und einen Hansi-Laden. Mit Hansi gemeint ist der Künstler Jean-Jacques Waltz (1873 bis 1951), allgemein nur Hansi gerufen. Der Präsident verband den Dank und die Hansi-Verleihung mit einer kleinen Würdigung: H wie „höchste Anerkennung“, An für Renate „nach starker Impulsgebung“, S für Britta „nach sorgfältiger Information“, I für den Fahrer „für navigatorische Sicherheit“. Eine wunderbare Idee, verknüpft auch mit einem materiellen Dank. Der Präsident lobte noch mal die Fahrkunst des Fahrers Jürgen Stobbe, wir seien regelrecht geglitten durchs Elsass, und der Fahrer sei an der gesamten Thematik sehr interessiert gewesen, mit seinem Fahrrad erkundete er die Städte – in allen Sparten die Note 1. Reiseleiterin Renate habe sich in den Dienst der Gruppe gestellt, Gästeführerin Britta ihr großes Wissen weiter gegeben, aber die Reisenden nicht fachlich „überflutet“.
Allgemeiner Eindruck: Wir hatten eine hoch interessante Elsass-Reise in harmonischer Atmosphäre – danke dafür Renate!