Der CC - Zukunft hat Geschichte

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Mit dem Gründungsjahr 1775 ist der Civilclub Münster einer der ältesten gesellschaftlichen Clubs überhaupt. Bürger fanden sich hier zusammen, um Bildung und Geselligkeit zu pflegen. Und das noch unter dem Regiment des Krummstabes – Jahre, bevor in der Französischen Revolution 1789 Bürger gewaltsam ihre Rechte, Freiheit und Gleichheit einforderten, ein Jahr, bevor in Nordamerika die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit erklärten. Das spricht für ein großes Selbstbewusstsein der Gründungsväter. Am kulturellen und gesellschaftlichem Charakter des Civilclubs hat sich bis heute nichts geändert. Er bietet ein reiches kulturelles Programm, veranstaltet Vorträge zu aktuellen Themen, findet sich zu Konzerten zusammen, organisiert Museumsführungen, führt kleinere und größere Reisen durch. Und er gönnt sich auch Arabesken wie den stimmungsvollen Nikolausabend im Gräftenhof oder ein schwunghaftes Kostümfest zu Weiberfastnacht.

Der Civilclub – der Name zeigt bereits die Abgrenzung zu den adeligen Clubs – hat in der Stadt Münster mehrere Adressen gehabt, so z.B. das Stadtweinhaus von 1782 bis zum Jahre 1895, in denen der Civilclub sich sogar "Gesellschaft zum Stadtweinhause" nannte. Während dieser Zeit führte er großartige Feste im großen Rathaussaal durch. Als die Stadtverwaltung ihr Stadtweinhaus selbst benötigte, zog der Civilclub in den Romberger Hof an der Neubrückenstraße. Allerdings wollte die Stadt dort nach dem Ersten Weltkrieg ihre Hochschule für Musik unterbringen, was den Civilclub zur Suche nach einem neuen Domizil zwang. 1920 erwarb er ein eigenes Haus an der Syndikatgasse in der Nähe des Rathauses, das  aufwändig renoviert werden musste.

1925 feierte der Civilclub sein 150-jähriges Bestehen mit einem großen Festball in der Stadthalle, an dem 1100 Gäste teilnahmen. Dieses glanzvolle Jubiläumsfest ließ die Zahl der Mitglieder anschwellen, so dass das Haus in der Syndikatgasse zu klein wurde und 1928 der Große Schmisinger Hof an der Neubrückenstraße gekauft werden konnte. Damit hatte der Civilclub ein besonderes Recht erworben: Den jeweiligen Besitzern des alten Adelshofes stand das Recht zu, in der benachbarten Martinikirche eine bestimmte Kirchenbank zu nutzen, was von Clubmitgliedern regelmäßig in Anspruch genommen wurde. Die politischen Zwänge der 1930-er Jahre gingen am Civilclub nicht vorbei. Ein starker Mitgliederschwund belastete die Finanzen. 1940 wurde der Schmisinger Hof an den Provinzialverband verkauft. Die Bomben hätten das Haus ohnehin zerstört.

Als Münster 1945 in Trümmern lag, fand am 28. November die erste Zusammenkunft des CC in der Gaststätte Niemer an der Salzstraße statt, zu der immerhin 31 Mitglieder erschienen. Ab 1950 blühte das Clubleben allmählich wieder auf. 1968 wurde das wieder aufgebaute Haus des Adeligen Damenclubs mit seinem repräsentativen Barockgiebel am Alten Fischmarkt 26 das neue Domizil des Civilclubs. Damals war der Festsaal, die Ewige Lampe, der schönste in ganz Münster.

1975 zur 200-Jahr-Feier stiftete der Club einen Teller mit dem Romberger Hof in der Mitte für das Ratssilber. Im Festsaal des Rathauses wurde das Jubiläum mit vielen Gästen gefeiert. Erstmals im Frühjahr 1976 bot der Civilclub eine Auslandsstudienreise an und zwar nach Israel. Diese Tradition wird bis heute gepflegt. Nahezu alle Länder rund ums Mittelmeer wurden bereist, von Griechenland bis Portugal, Sizilien bis Kastilien. In den letzten Jahren war Osteuropa das Ziel. Zweimal stand Belgien mit Antwerpen, Gent und Brügge im Mittelpunkt – die Fahrten mit dem Ehepaar Monika und Ernst Brors erlangten nahezu Kultstatus.

2009 und 2010 sind thematische Kompaktangebote hinzu gekommen. Zum Jubiläum "2000 Jahre Varusschlacht" wurden die drei Ausstellungen in Kalkriese, Detmold und Haltern besichtigt, ergänzt durch einen Einführungsvortrag von einem Fachhistoriker. Die Fahrten zu den attraktiven Ausstellungen zur Thematik der Kulturhauptstadt 2010 sind rege frequentiert – das Ruhrgebiet liegt ja praktisch vor der Haustür. Thematische Studienreisen sind eines der Standbeine des Civilclubs, wie 2012 zu „Friederisiko“ zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen nach Potsdam oder zur kostbaren Ausstellung „1000 Jahre Naumburger Meister“. Die Klassiker-Stadt Weimar oder der Ostharz, die Keimzelle des Deutschen Reiches, waren weitere Ziele, ebenso wie Straßburg und Brüssel. Regelmäßige Fahrten zu bedeutenden Kunst-Ausstellungen runden das umfangreiche Bildungsprogramm ab.

Zur 220-Jahr-Feier des CC im Jahre 1995 erschien eine lesenswerte Festschrift unter dem Titel „Hort kultureller Geselligkeit“, verfasst vom Ehepaar Liselotte und Helmut Folkerts, mit vielen Illustrationen und Anekdoten. Das Motto "Zukunft hat Geschichte, Geschichte hat Zukunft" gilt durchaus auch für unser heutiges Clubleben.