Tageszeitungen - gegen Fake News

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Vortrag von Dr. Tiemann am 22. Mai 2019

Er leitete seinen Vortrag mit einem charakteristischen Zitat von Oberbürgermeister Manfred Rommel ein: „So lange man mit dem Laptop keine Fliege erschlagen kann, so lange bleibt die Zeitung.“ Um die Zukunft der Tageszeitung ging es am 22. Mai mit WN-Chefredakteur Dr. Norbert Tiemann vor dem Civilclub, wobei er keinen Hehl daraus machte, dass auch an Aschendorff die Krise nicht vorbei gehe.

 

Die Erfolgsgeschichte der Westfälischen Nachrichten sei keine unendliche. Aber: „Wir haben ein Heimspiel jeden Tag.“ Die Tageszeitung vermittle räumliche und emotionale Nähe und relevante Lebenshilfe – „wir sind nahe beim Menschen“. Allerdings funktioniere die Vererbungslehre in den Familien nicht mehr.

Die Redakteure arbeiteten heute gleichzeitig für das Online-Portal, womit sie auch schneller seien, die Inhalte würden über alle multimedialen Kanäle verbreitet. Es gelte, die Internetnutzer an die Traditionsmarke zu binden, „wobei wir auch im digitalen Bereich die redaktionelle Qualität garantieren wollen“. Die geprüften Inhalte unterschieden sich vom üblichen Internet, Fake News seien nur im Internet zu finden, eine freiwillige Selbstkontrolle finde dort nicht statt.

Dr. Tiemann wies darauf hin, dass die Auflage sinke, womit die Zeitung immer teurer werden müsste, um ihre Existenz zu sichern. Weshalb es überhaupt nicht einzusehen sei, dass im Internet alles kostenlos zu erhalten sei – „kein Mensch kommt auf die Idee, etwas zu verschenken“. Es liefen Klagen gegen Google und Facebook, weil diese Einrichtungen Milliarden mit unseren Inhalten verdienten. Die Zeitungen würden immer mehr Inhalte im Internet kostenpflichtig machen, spannend sei es dann, wer bereit sei, dafür zu zahlen.

Die Verbreitung des E-Paper sei um 25 Prozent gestiegen und mache damit 6 Prozent der gesamten Zeitung aus. „Wir bieten damit das, was das schnelle Internet nicht liefert.“ Die Zeitung liefere auch die Gebrauchsanleitung zum Verstehen der digitalen und immer mehr globalisierten Welt. Dr. Tiemann: „Die Marke Tageszeitung wird überleben, weil sie gebraucht wird.“ Im angeblich postfaktischen Zeitalter werde die Klarheit der Zeitungen gebraucht. Die Frage nach der Zukunft beantwortete Tiemann mit einem klaren „Ja“. Allerdings sei der typische Zeitungsleser 50 Jahre und älter, er selbst sei digitaler Abonnent der Welt. Diese Entwicklung bewirke, dass die Kostenschere immer weiter auseinander klaffe. Außerdem bleibe der Nachwuchs aus, die Ausbildung müsse wohl komplett umgestellt werden.
Präsident Johannes Krause-Isermann fasste zusammen, dass der Vortrag ein überzeugendes Plädoyer für den Qualitätsjournalismus gewesen sei. Er selbst greife morgens fast noch im Halbschlaf nach der Tageszeitung, das sei für ihn eine Selbstverständlichkeit. Zudem sei die Zeitung eng mit der Clubgeschichte verbunden, denn im Clublokal seien nach 1775 auch Zeitungen gehalten worden. Etliche interessierte Fragen und reicher Beifall beschloss diesen umfassenden Blick in die Zukunft der Tagszeitungen.                      E.O.