Umgang mit dem Älterwerden

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Vortrag von Reinhold Waltermannf am 11.Juni 2019

Das „Älterwerden“ und schließlich das „Altsein“ unterscheidet sich fundamental von anderen Lebensabschnitten: Es hat keine Zukunft (wenigstens keine irdische) und ist zudem häufig von körperlichen Defiziten geprägt. Das Plänemachen auf die Zukunft, auf einen neuen Lebensabschnitt hin, entfällt. Die Sorge um die Aufrechterhaltung der Gesundheit erhält einen hohen Stellenwert.

Wann aber beginnt das „Älterwerden“? Diese eingangs rhetorisch gestellte Frage beantwortete der Referent mit dem ebenfalls rhetorisch gemeinten Hinweis, dass wir von Geburt an altern, d. h. dass wir altern, solange wir leben. Während das Altern in der Kindheit oder in der Jugend aber eher positiv wahrgenommen wird (gleichsam als Scheck auf eine verheißungsvolle Zukunft), ist das „Altern“, etwa ab dem 7. Lebensjahrzehnt, meistens wegen der damit verbundenen körperlichen Einschränkungen, negativ besetzt.

Wie aber gehen Menschen mit der Erfahrung ihrer geistigen und sonstigen physischen Unzulänglichkeiten um, mit der zunehmenden Vergesslichkeit, mit dem Nachlassen der physischen Kräfte und mit Krankheiten? Aus eigener Anschauung können darüber am kompetentesten Mediziner und Theologen berichten. Pfarrer Waltermann schöpfte aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Seelsorger in seiner Pfarre, als Sterbebegleiter im Hospiz, und ließ auch eigene Erfahrungen einfließen. Die Summe seiner Erlebnisse ergab, dass sich Menschen, konfrontiert mit ihrem eigenen „Älterwerden“, völlig unterschiedlich, ja gegensätzlich verhalten können: mit dem Verdrängen oder mit dem Akzeptieren ihrer neuen Unzulänglichkeiten. Während ein Teil der älter Gewordenen mit Realismus auf die neue Lebenssituation reagiert, flüchten sich andere älter gewordene Menschen in Realitätsferne, indem sie ihre Defizite überspielen und einem flachen Lebensgenuss nachjagen.

Um würdig zu altern, so der Referent, bedarf es eines sinnvollen Umgangs mit den noch verfügbaren Kräften und den daraus sich ergebenden Möglichkeiten. Das Loslassen des nicht mehr Realisierbaren und ein dankbarer Blick auf das im Leben Erreichte schaffe jedoch innere Freiheit. Diese Freiheit erlaube dann, die vorhandenen Beschränkungen anzunehmen, die Endlichkeit zu akzeptieren und dennoch die verbleibende Lebenszeit zu genießen. In jedem Lebensabschnitt des Menschen, auch in seinem Alter, sei es indes die Neugierde, die den Geist jung und, auch bis zu einem gewissen Grad, den Körper lebendig erhalte.
Nach lebhaftem Erfahrungsaustausch und vielen bestätigenden Äußerungen zum Inhalt des Vortrags bedachten die Zuhörer die Ausführungen von Pfarrer Waltermann mit reichem Beifall.                                              RL