Im Käse-Paradies

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Zu Gast im skurrilen Käse-Paradiesvon am 14.Juni 2019

Alles Käse – oder was? Segel gesetzt und auf in den Käse-Port, wenn das denn so einfach wäre: Münsters Hafen erweist sich durch Baustellen und Sperrungen als recht abweisend, aber schließlich ist das Ziel erreicht, und Käpt`n Pauli alias Ann-Paulin Söbbeke begrüßt uns in der Hafenkäserei,

die Chefin persönlich, und man kann ihr förmlich anmerken, dass ihr diese Käse-Show Spaß macht. Die Informationen sprudeln nur so aus ihr heraus, zwischendurch wandert ein Schälchen mit Käse-Stücken herum: „Wonach schmeckt der?“ Da kommst du nicht drauf – Popcorn hat den Geschmack verfeinert. Rotwein, Bier, Whisky, Blaubeeren und vieles mehr setzt die Molkereimeisterin ein, um den Geschmack zu individualisieren. Natürlich ist alles Bio.

Zwischendurch Fragen: Wie viel Liter fasst der Tank vor der Tür? Einige Schätzungen, es sind 30 000 Liter. Dann ein Spaß: Welches ist die teuerste Milch? Einige gut gemeinte Vermutungen, bis die Antwort kommt – die Mäusemilch! Ann-Paulin Söbbeke präzisierte die Aussage auf meine Nachfrage: „1 Liter Mäusemilch würde 20 000 Euro kosten und dafür müssten 4000 Mäuse gemolken werden“. Wenn das nicht wirklich zum Mäuse Melken ist!

Chefin Söbbeke ist das reinste Energiebündel, detaillierte Informationen über den Käseprozess, so dass man fast schon die Prüfung zum Milchtechnologen bestehen könnte. Blick in die Herstellung und auf das Lager: „Das ist unsere Kinderstube“. Die Käselaibe müssen regelmäßig gewendet werden, per Hand, so dass die Mitarbeiter abschließend einige Tonnen gestemmt haben.

Die Sprache ist maritim geprägt, passend zum Hafen. Da gibt es den fröhlichen Fähnrich, den kleinen Korsar, den munteren Matrosen oder frechen Fockaffen mit Pinkus-Bier. Für uns Besucher ist es ein mehrschichtiges Abenteuer nach der Parole „Make Cheese not War“. Zwischendurch sorgt der quirlige Nachwuchs für den sichtbaren Nachweis des Begriffs Drei-Käse-Hoch.

Diese Käsemanufaktur provozierte unmittelbar nach ihrer Fertigstellung im Jahre 2016 einen Eklat: Die Chefin hatte die Fassade mit Comic artigen Malereien versehen lassen, passend zum Thema, worüber sich die Architekten aufregten – was sollen Besucher der Skulpturenausstellung angesichts dieses vollkommenen Käses denken? Die Malereien mussten wieder entfernt werden – das ist Freiheit der Kunst.
Man muss Eckard Andersson dankbar sein für diese genussvolle Bereicherung der Aktivitäten des Civilclubs, es war seine Entdeckung und seine Organisation und er nutzte die Gelegenheit, sich bei der Käse-Chefin mit einem Blumenstrauß zu bedanken. Bravo Eckard! Der Nachmittag klang aus bei Kaffee und Kuchen, natürlich Käsekuchen, lecker und üppig, denn die Hafenkäserei versteht sich auch als Event-Location. Eine schmackhafte Bereicherung.          E.O.