Eintauchen in Geschichte und Kultur Europas

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Reise des Civilclubs vom 24. bis 30. Juni 2019 am 27.Juni 2019

Das war für uns Münsteraner natürlich spannend: Der Kreis zum Westfälischen Frieden von 1648 würde sich schließen, wenn wir in Prag den Ort des Anfangs sehen konnten, den Ort des Prager Fenstersturzes von 1618. Obschon unser tschechischer Reiseleiter Pavel Feigl die Spannung noch gesteigert hatte, denn die Besichtigung der Prager Burg fand erst am letzten Tag der Reise (24. bis 30. Juni 2019) kurz vor dem Abflug statt. Die Civilclub-Reise hatte initiiert und organisiert Dr. Gabi Peus-Bispinck, durchgeführt das münstersche Unternehmen Determann-Touristik.
Die Prager Burg, oberhalb der Stadt gelegen, ist schon ein imposantes Bauwerk, die meisten Gebäude stammen aus der Zeit von Maria Theresia. Nachdem wir eine ganze Reihe von Räumen passiert hatten, sagte Pavel: Hier ist es. Ein ganz normales Zimmer mit einem ganz normalen Fenster – was hatte ich denn erwartet? Natürlich mussten wir alle einmal aus dem Fenster gucken, aus dem am 23. Mai 1618 drei Personen, unter ihnen der Statthalter des Kaisers, hinaus gestürzt worden waren. Diese Defenestration war das Fanal zum Krieg, der 30 Jahre dauern sollte.
Prag steckt voller Sehenswürdigkeiten, das beginnt schon mit der berühmten Karlsbrücke über die Moldau, die viel zu viele Touristen sehen wollten. Und dann passierte es – in dem Gewimmel hatte eine Reiseteilnehmerin den Anschluss an die Gruppe verloren. Erst abends im Hotel hatte sie wieder zu uns gefunden.
Böhmen ist natürlich bekannt für seine großen Komponisten, so wurden wir schon auf dem Flughafen zünftig einstimmend mit Melodien aus der Moldau begrüßt. In Iglau besichtigten wir das Gustav-Mahler-Haus mit einem zerdepperten Flügel im Eingang, die Ausstellung war anschaulich visualisiert und mit Mahler-Musik unterlegt. Überhaupt war diese Reise ein Eintauchen in Geschichte und Kultur, die europäische Geschichte, denn Prag war unter den Habsburger Kaisern das Herz Europas. Nicht zuletzt – die älteste deutsche Universität, die Karls-Universität, ist 1348 in Prag gegründet worden. In Brünn besichtigten wir die Kasematten der Festung Spilberk, die in der Vergangenheit als Gefängnis gedient hatten, was teils drastisch inszeniert worden war. Die Überlebenschancen der Häftlinge waren minimal.
Und wieder eine Entdeckung: Das Comenius-Museum in Prerov, das dem großen Theologen und Pädagogen gewidmet ist. Die Klassenzimmer, die hier etabliert sind, wurden sofort mit Beschlag belegt, und Herbert Kütting bot an, eine Unterrichtsstunde abzuhalten. Unser Reiseleiter Pavel wusste unglaublich viel und stellte uns gelegentlich auch auf die Probe: „Wie heißt der in Eger ermordete Wallenstein wirklich?“ „Waldstein“, wusste Claus Vogelberg, Schiller hatte ihn umbenannt.
Teltsch, eine Kleinstadt in Mähren, war ein wundersamer Auftritt: Rings um den großen Marktplatz reihten sich die Giebelhäuser aus der Renaissance, wie ein Prinzipalmarkt. Diese tolle Kulisse nutzten wir für ein Gruppenfoto, das dann am 7. Juli auch in der Zeitung stand. Krummau und Trebitsch – man hätte überall lange verweilen können. Tabor ist das Zentrum der Hussitenbewegung mit Museum und Denkmal: Der Anführer Jan Hus war 1415 auf dem Konzil von Konstanz als Ketzer verbrannt worden, der Kaiser hatte die Zusicherung des freien Geleits gebrochen.
In Budweis mit der berühmten Brauerei stießen wir am Markt auf Laubengänge in den begleitenden Häusern wie in Münster. Das Bier ließen wir uns gerne schmecken wie auch Pilsner Urquell, es war die beste Erfrischung bei den Temperaturen.
Übrigens gehört Tschechien zwar zur EU, aber nicht zur Eurozone, so dass wir immer in tschechische Kronen wechseln mussten, was unser Reiseleiter Pavel besorgte: „Wenn ihr mir 20 Euro und 50 Cent gebt, erhaltet ihr von mir 500 Kronen zurück.“ So war er, der Dr. Pavel Feigl.                                              E.O.