Künstliche Intelligenz kann Altenpflege

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Vortrag im CC  am 10. Oktober 2019

Als Schülerin träumte ich davon, dass mir bei einer kniffligen Mathearbeit oder einem verzwickten Lateinsatz ein hilfreicher Engel etwas Intelligenz einhauchen würde. Wie hätte ich mich über ein bisschen zusätzliche Künstliche Intelligenz gefreut.

Aber KI ist ein weites Feld. Davon überzeugten uns zwei Damen aus dem schönen, am Albersloher Weg gelegenen Unternehmen Eucon, das Wegbereiter für Daten- und Prozessintelligenz ist und sich insbesondere mit Automotiven, Versicherungen und Immobilien beschäftigt.

Frau Barbara Greissinger, gelernte Betriebswirtin, begann den Vortrag mit dem Versprechen, durch ihre Ausführungen zu versuchen, uns die Angst vor der KI zu nehmen. Bei der Arbeit in ihrer Firma geht es in den drei Themenbereichen darum, zunächst riesige Datenmengen zu sammeln, diese zu prüfen, um z.B. einen Überblick über die Wettbewerbssituation für die Kunden zu erhalten; oder zu analysieren, wie Prozesse z.B. bei Versicherungen automatisiert und beschleunigt werden können; oder im Real Estate-Bereich Daten so intelligent zu strukturieren und durch Rechnungsprozesse zu bewerten, dass die gewonnenen Informationen den zu beratenden Unternehmen den Immobilienkauf erleichtern. Für die Arbeit in diesen Bereichen ist die Firma verschiedentlich ausgezeichnet worden.

Frau Greissinger erklärte uns mit diesen Beispielen, dass es bei der Digitalisierung um das Zusammenwirken von Daten, Vernetzung und Künstlicher Intelligenz geht. Und die Digitalisierung beginnt nicht morgen, sie hat längst begonnen. In den letzten 20 Jahren haben wir uns an viele neue Technologien gewöhnt: Die Menschen, natürlich besonders Jüngere, nutzen ihr Smartphone 3,5 Std. täglich, 65 % der Reisen werden online gebucht, ärztliche Untersuchungen sind ohne digitale Unterstützung undenkbar geworden. Die neuen Technologien haben allgemein ein Umdenken bei Unternehmen eingeleitet, denn sie ermöglichen es, Kundenwünsche individuell einzulösen. Dieser Kundenbezug ist wichtig, er ist der elementare Hebel zur Etablierung erfolgreicher Geschäftsmodelle; wer die meisten personenbezogenen Daten hat, ist im Geschäft. Wie sicher die derart gesammelten Daten sind, bleibt die große unbeantwortete Frage.

Frau Dr. Antje Fitzner hat Physik und Astrologie studiert, und als Expertin für Künstliche Intelligenz gab sie zunächst eine einfache Erklärung für KI. Die menschliche Intelligenz ist eine kognitive Fähigkeit, sie ist vielfältig und komplex. Maschinen aber lernen aus Daten, auf deren Grundlage sie zur Lösung von komplexen Aufgaben geführt werden, dies ist eine nachgeahmte Intelligenz. Frau Fitzner machte an Beispielen deutlich, dass der Mensch beim Erkennen von z.B. Früchten, Gesichtern und Gemütsbewegungen bessere Ergebnisse erzielt als die Maschine, während die wiederum Ähnlichkeitsstrukturen in Datenbeständen (clustering) besser erkennt, kritischer analysiert (segmentation) und mit Hilfe statistischer Methoden die Dimension der Daten reduziert (dimension reduction). Einstweilen sind für relevante Ergebnisse noch Mensch und Maschine vonnöten. Aber schon jetzt, so Frau Fitzner, befähigt und unterstützt die KI den Menschen dabei, bessere, schnellere und präzisere Entscheidungen zu treffen.

Die Reaktionen auf die vorgetragenen Aussagen waren durchaus gemischt. Einige Zuhörer äußerten ihre Sorge vor den sozialen Folgen der Automatisierung: Einbußen von Arbeitsplätzen, Verschwinden von Berufen. Aber man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Sicherlich müssen die Menschen mit heftigen Veränderungen in ihrem Berufsfeld und starkem Umlernen rechnen. Aber sicher werden auch neue Berufe entstehen. Einen Trost spendeten die beiden Referentinnen uns noch: Sie präsentierten die nette Altenpflegeroboterin. Leider sprach die Kleine so leise und so wenig, dass wir empfehlen, sie noch einmal ins Machine Learning Centre zu schicken.                         Ingrid Eckardt