Turner - Meister der Farben und des Lichts

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Ausstellungsbesuch  am 03. Dezember 2019

Das war wieder einmal ein Großunternehmen, Manfred Niehoff musste an der Kasse des Landesmuseums sage und schreibe 689 Euro an Eintritt für 57 Besucher des Civilclubs zahlen, wobei die Preise für die Einzelnen sehr unterschiedlich waren. Das muss man schon studiert haben: Kompliment Manfred und herzlichen Dank für die Organisation.

„Horror and Delight“ ist die Turner-Ausstellung untertitelt, was man auch mit Erschaudern vor dem Erhabenen der Natur zusammenfassen könnte, sagte unsere Führerin Annegret Rittmann. Und dieses Erhabene präsentieren die Bilder und Aquarelle, 80 an der Zahl, geradezu exemplarisch, dass man die Wasserfälle in den Schweizer Bergen richtig plätschern sieht, gefrorene Bewegung. Bedrohlich wirkt ein Lawinenabgang mit großen Schneemassen, den Turner aber nicht selbst erlebt, sondern nach Schilderungen anderer gemalt hat. Das ist aber die Ausnahme.

Faszinierend sind seine Sonnenaufgänge, eine Explosion von Farben, als seien wir schon mitten im Impressionismus. Und in dieser Komposition von roten und gelben Farborgien ein weißer Fleck, ein Versehen? fragte unsere Führerin. „Nein“ waren wir uns einig, dieser weiße Fleck zieht den Blick des Betrachters förmlich an. Ein anderes Bild führt den Betrachter an den Rand des Abgrunds, Turner nimmt seine Fans mit ins bedrohliche Geschehen. Bei anderen Bildern muss man suchen, wo sich denn der römische Konstantins-Bogen in der Atmosphäre verbirgt, typisch für Turner, der sich früh schon vom Gegenständlichen weg entwickelte. Mit seinem Spätwerk konnten die Zeitgenossen nicht viel anfangen. Wir sagen heute, er war ein Wegbereiter der Moderne, der Romantik, ein Meister des Lichts und der Farbe.

Im Landesmuseum ist ein Raum der Schweiz gewidmet, ein Raum Italien, was unsere Führerin veranlasste zu sagen: Jetzt gehen wir in die Schweiz. In Italien hat er sich Venedig gewidmet, hier kam ihm zugute, dass er an der Royal Academy auch eine Ausbildung zum Architekturmaler erhalten hatte. Berühmt ist Turner für seine Seestücke, dramatische und drastische Darstellungen von Schiffsuntergängen immer wieder, dass man das schon tiefenpsychologisch untersuchen könnte.
Dem Landesmuseum ist mit dieser Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Tate in London ein echter Knüller gelungen, wie man ihn nicht alle Tage erlebt. Dieser deutsch-engli­sche Kulturaustausch sei ein deutliches Statement für Europa, sagte Landesdirektor Matthias Löb bei der Eröffnung. Entsprechend groß ist der Besucherandrang, wie man es ja auch am groß­artigen Interesse des Civilclubs ablesen kann.                 E.O.