Kernressource Vertrauen

„Was für eine Freude, uns nach so langer Zeit mal wieder bei einer Abendveranstaltung zu sehen", brachte Präsident Johannes Krause-Isermann bei seiner Begrüßung auf den Punkt, was wohl alle Anwesenden an dem Abend empfunden haben. Seit über 1 1/2 Jahren gab es im Großen Saal keine Abendveranstaltung des Civilclubs mehr. Es sei sehr einschneidend gewesen, die „Flaggschiff-Veranstaltung“ des CC eine so lange Zeit lang nicht durchführen zu können, umso größer sei die Freude nun, so Krause-Isermann. Diese Worte des Präsidenten unterstützten die Anwesenden mit reichlich Beifall.

Zur ersten Abendveranstaltung nach der Corona-Unterbrechung konnte der Präsident einen Referenten aus den Reihen des CC begrüßen: Professor Dr. Rolf Stober widmete sich in seinem Vortrag dem Thema „Vertrauen ist gut - Compliance ist besser“. Der Präsident näherte sich dem Thema bei der Begrüßung als Psychologe; in der Medizin sei Compliance der Oberbegriff für kooperatives Verhalten von Patienten im Rahmen einer Therapie und bedeute „Therapietreue“. Compliance-Experte Rolf Stober konnte zu Beginn seines Vortrages gleich auf ein aktuelles Beispiel zurückgreifen: die Durchsuchung der Staatsanwaltschaft im Bundesministerium für Finanzen im Zusammenhang mit der Debatte um die staatliche Zentralstelle für Finanztransaktionen FIU (Financial Intelligence Unit).

Compliance stellte Stober in den Zusammenhang mit der „3 S-Regel“: saubere Geschäfte, sicheres Verhalten, serviceorientiertes Vorgehen. „Vertrauen ist eine Kernressource des Zusammenlebens“, so Stober. Compliance sei eine moderne Übersetzung des kategorischen Imperativs von Immanuel Kant oder des Ersten Briefes des Paulus an die Korinther. Und Compliance habe auch etwas mit Knigge von 1788 zu tun - sozusagen der Knigge als modernes Compliance-System. Stober nannte praktische Beispiele aus seiner Beratungstätigkeit für Unternehmen.

Wichtig sei, die Compliance-Regeln sehr einfach und auf einen Blick zu vermitteln, zum Beispiel in der Größe einer EC-Karte. Wesentlich sei „Nulltoleranz bei Verstößen“. Der Abend führte auch zu der Erkenntnis, dass der Begriff „Compliance“ aus dem Angloamerikanischen stammt und es keine wirklich prägnante Übersetzung gibt, so dass sich auch in Deutschland - selbst wenn man Anglizismen vermeiden möchte - , diese englische Bezeichnung nicht umgehen lässt. Zu der Frage, ob sich Lehrer zum Schutz ihrer Schüler impfen lassen müssen, hatte Stober eine klare, aus Compliance-Grundsätzen abgeleitete Antwort: Eine Impfpflicht gebe es nicht. Aber wer Beamter werde, müsse auch ein Beamtenethos haben. Schüler hätten eine Schulpflicht, deshalb müssten sich Lehrer impfen lassen, ohne dass eine Impfpflicht bestehe.

Die Anmerkungen und Fragen zeigten, welch großes Interesse der Vortrag ausgelöst hat. Der Präsident dankte Professor Stober für seinen unterhaltsamen, lebendigen Vortrag. Dem schlossen sich die Anwesenden mit dankbarem Beifall an.

Michaela Heuer