Das Kreuzviertel

Den meisten Teilnehmern des CC-Spaziergangs dürfte das Kreuzviertel durchaus nicht unbekannt gewesen sein. Aber wohl für alle war an diesem Samstagnachmittag im September viel Neues, Un- bekanntes zu entdecken. Unter der fachkundigen Anleitung von Professor Martin Korda haben wir auch Altbekanntes neu zu sehen gelernt. Wir ha- ben erfahren, dass dieses Stadtviertel, benannt nach einer im Mittelalter üblichen Kreuztracht vom Dom nach Kinderhaus, nach der Schleifung der Stadtmauer allmählich entstand, als Münsters „Neustadt“ nördlich der Altstadt, auf einem Gebiet, das zuvor vielen Kleingärten Raum bot, mit winterfesten Lauben. Manfred Niehoff Vor allem im 19. Jahrhundert – Münster war preußische Provinzhauptstadt geworden – wuchs hier ein großes Siedlungsgebiet mit Wohnungen für Geschäftsleute, Beamte, Offi- ziere und ihre Familien. Informativ und unterhaltsam erläuterte Professor Korda uns Müns- ters besterhaltenes Stadtviertel der Kaiserzeit – mit herrschaftlichen Villen, repräsentativen Wohnhäusern, aber auch mit schlichten Häuserzeilen, idyllischen Hinterhöfen und Gebäu- den zur gewerblichen Nutzung. Für den Art-Déco-Stil, den Martin Korda uns schon im Früh- jahr durch einen brillanten Video-Vortrag nahe gebracht hatte, fanden wir reichlich Beispiele in Bauform und Ornamentik, ebenso aber auch Zitate aus Barock, Neugotik und floralem Jugendstil. Wir bestaunten Friese mit Triglyphen und Metopen, die berühmten „Toblerone“- Erker, Zickzack-Strukturen und Beispiele des „Backstein-Expressionismus.“ Viele CC-Mitglieder hatten ihre Regenschirme mitgebracht – mit erstaunlichem Abwehr- Erfolg: Die befürchteten Schauer blieben aus. Erfreulich auch, dass die Teilnehmer zusam- men mit dem Ehepaar Korda hernach noch bei Kaffee und Kuchen in der Eisdiele an der Kreuzkirche zusammensitzen konnten. Nach solchem lebendigen Austausch in leibhaftiger Präsenz hatten wir uns in den Corona-Monaten zuvor doch so sehr gesehnt. Ein herzlicher Dank an Professor Martin Korda, der uns dieses prächtige Bau-Ensemble der Preußenzeit auf so hervorragende Weise präsentiert hat! Johannes Krause-Isermann