Geschenk zum Jubiläum
Geschenk zum Jubiläumsjahr
Das war ein grandioses Bild: Rund 40 Mitglieder des Civilclubs wurden von Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé im Stadtmuseum Münster begrüßt und durch die Ausstellung „Neuerwerbungen“ geleitet. Für eine Führung war unsere Gruppe natürlich etwas (deutlich) zu groß. Aber wir haben es geschafft, aufmerksam und ohne die zu erwartende Unruhe zu folgen.
Wahrscheinlich lag es vor allem an den interessanten Einblicken und an dem Talent von Barbara Rommé, ihre Zuhörenden durch spannende Informationen zum wirklichen Zuhören zu bringen. Jedenfalls wurde Barbara Rommé im Anschluss an die Führung von einem Mitglied gefragt – und es war bewundernd gemeint –, ob ihr die Erfahrungen im Umgang mit Schulklassen helfen würden. Anlass der Führung war die inzwischen restaurierte Münster-Collage des münsterschen Künstlers Helmut Gockel (1925–2003), die der Civilclub im Januar 2023 dem Stadtmuseum geschenkt hatte und nun aus Anlass unseres Jubiläums öffentlich präsentiert.
Die kleine Delegation, die damals das großformatige Werk dem Stadtmuseum übergeben hat, war der Meinung, dass der Gockel durch die Restaurierung deutlich gewonnen hat: Er wirke „entstaubt“. Dr. Barbara Rommé stellte die Schenkung des Civilclubs zunächst in den Kontext des Sammlungskonzeptes des Stadtmuseums: An einem Beispiel (Schenkung von Trinkgefäßen und Porzellan aus dem Nachlass eines münsterischen Sammlers und Mäzens) erläuterte sie uns, dass das Stadtmuseum hunderte Angebote von Schenkungen erhält.
Da die Annahme einer Schenkung für das Museum auch immer mit Kosten verbunden sei, zum Beispiel für die Restaurierung, würde über angebotene Schenkungen nach fachlichen Kriterien entschieden; maßgeblich sei natürlich immer der Münster-Bezug. So habe beispielsweise ein Münsteraner in seinem gerade erworbenen Haus 23 Care-Pakete, darunter eines aus Australien, gefunden und dem Stadtmuseum geschenkt. Wahrscheinlich wurden sie auf dem Dachboden vom ehema- ligen Besitzer für den Fall noch schlechterer Zeiten gehortet. Ein anderer Bürger habe dem Stadtmuseum die von ihm in Münster gefundene Verpackung von Präservativen der Britischen Besatzungsarmee angeboten.
Beide Geschenke habe das Stadtmuseum angenommen, weil sie rar sind, einen Bezug zu Münster haben und noch nicht in der Sammlung vorhanden waren. Museumsleiterin Dr. Barbara Rommé ist dankbar, wenn Menschen bei solchen Funden an das Stadtmuseum denken und sich dort melden. Und auch bei unserem „Gockel“ war der Münster-Bezug entscheidend. Helmut Gockel hat seine künstlerischen Fähigkeiten an der Kunstgewerbeschule Münster erworben und war seit 1952 Mitglied der freien Künstlergemeinschaft Schanze in Münster. Er hat in Nienberge gelebt. Nach dieser Einordnung von Geschenken für die Arbeit des Stadtmuseum ging es dann zur weiteren Kontextualisierung des „Gockels“ in zwei Kabinette der Schausammlung.
Zuerst betrachteten wir den Einzug des Gesandten Adriaen Pauw zu den Friedensverhandlungen von Münster, ein Gemälde von Gerard ter Borch, und ein Gemälde vom Prinzipalmarkt vor über 150 Jahren von Cornelis Springer, gemalt wie nach einem Foto. Beiden Gemälden ist gemeinsam, dass sie die Identifikationsbereiche der Stadt darstellen: Beim Einzug des Gesandten war es die Stadtansicht von Münster, die als ehrwürdige, befestigte Stadt mit vielen Kirchtürmen gezeigt wird und bei dem Gemälde vom Prinzipalmarkt waren es Alltagsszenen und die Beschränkung auf Rathaus und Stadtweinhaus als prägende Identifikationsbereiche der Stadt.
Nach dieser Vorbereitung kamen wir zu unserem Münster-Gemälde von Helmut Gockel. Auf die Leinwand brachte der Künstler gerne verschiedene charakteristische Gebäude und Gebäudeteile der Stadt wie beispielsweise das Rathaus oder das Riesenrad vom Send, die er frei kombinierte. Wir entdeckten – markant und relativ groß am linken unteren Bildrand – ein landwirtschaftliches Gebäude, das Rathaus mit Fahne in den Stadtfarben, die Kirchturmspitzen der Überwasserkirche, vom Dom und von St. Lamberti. Auch das großformatige Gemälde, das vor dem Umzug des Civilclubs in dessen Tagungsräumen am Alten Fischmarkt hing, zeigt eine solche Münster-Collage.
Die Präsidentin bedankte sich bei Dr. Barbara Rommé, dass der „Gockel“ im Stadtmuseum ein neues Zuhause gefunden habe und bestens betreut werde und ganz aktuell für das Jubiläums-Geschenk, dass das Stadtmuseum dieses Werk von Helmut Gockel aus Anlass des Jubiläumsjahres restauriert hat und öffentlich präsentiert. TEXT : MICHAELA HEUER