Paradies aus zweiter Hand

Ein Herbstabend mit einem herbstlichen Thema: Landschaftsökologin Aline Förster vom NABU Münsterland referierte im Oktober über „Next Stop Rieselfelder – Vogelschutz im Münsterland“. Zunächst informierte sie über den Vogelzug, jenes Naturschauspiel, das wir in jedem Frühjahr und Herbst am Himmel bewundern. Etwa 50 Milliarden Zugvögel pendeln jährlich zwischen Brut- und Überwinterungsgebiet und überqueren dabei Gebirge, Wüsten und Ozeane.

Aline Förster, die sich schon während ihrer Studienzeit in Münster für die Ornithologie begeisterte, wies uns zunächst auf den Unterschied zwischen Kurz- und Langstreckenziehern hin und schilderte dann staunenswerte Einzelheiten über die Entfernungen und Strapazen, die die gefiederten Touristen auf ihren langen Reisen bewältigen. Um ohne Kompass und Karte ans Ziel zu gelangen, orientieren sie sich an Sonnenstand, Sternenhimmel und Land- schaftsmerkmalen. Zusätzlich hilft ihnen ein im Auge verborgener Magnetsinn.

Im zweiten Teil des Vortrages ging es um Münsters Rieselfelder, „ein Paradies aus zweiter Hand“, wie die Referentin formulierte. In Zeiten schwindender Binnen-Feuchtgebiete entstand auf dem Gelände der ehemaligen Kläranlage ein bedeutendes Überwinterungs- und Rastgebiet für die Vögel – zugleich für die Menschen ein herrlicher Naherholungsbereich. Auch wir können hier „auftanken“. Etwa 140 verschiedene Vogelarten sind in den Rieselfeldern zu beobachten. Gänse, Enten und Möwen aller Art machen dort Station, darüber hinaus aber auch manche ganz seltenen Gäste. Das erste Auftauchen des Dunkellaubsängers zum Beispiel rief in Fachkreisen große Begeisterung hervor.

Im letzten Teil ihres Vortrages gab uns Aline Förster Einblicke in ihren beruflichen Alltag. Sie betreut verschiedene Vogelschutzprojekte in Münsters Umgebung, beispielsweise Schutzprogramme für Kibitze, Rohrweihen und Rauchschwalben. Bestandserfassung, Nest-Kennzeichnung, Markierung von Schutzzonen und Schaffung von Rückzugsgebieten sind wichtige Aufgaben der Landschaftsökologin. Mit Stolz konnte sie davon berichten, dass all diese Maßnahmen immer wieder zur Förderung des Bruterfolges der bedrohten Vogelarten beitragen.

An den überaus informativen und lebendigen Lichtbildvortrag im Civilclub schloss sich eine intensive Austauschrunde an. Ein ganz herzlicher Dank an Aline Förster für ihren beeindruckenden Informationen über die Welt der Vögel! Wir werden gerade jetzt im Herbst mit besonderem Interesse auf die Vogelschwärme am Himmel achten – und zugleich überlegen, was wir persönlich zum Schutz der Vögel beitragen können.

Johannes Krause-Isermann