Reise mit Dürer

Am 16. September waren CC-Mitglieder – bei einer digitalen ZOOM-Führung – virtuell eineinhalb Stunden unterwegs quasi als Reisebegleiter Albrecht Dürers auf seiner Reise ins Rheinland (Köln und Aachen) und in die damaligen Nieder- lande (Brüssel, Gent, Antwerpen, Rotterdam usw.) vor rund 500 Jahren (1520/1521). Die großartige Ausstellung "Dürer war hier – Eine Reise wird Legende" im Suermondt-Ludwig- Museum in Aachen mit Leihgaben aus den berühmtesten Museen der Welt (British Museum, Louvre, Albertina, Uffizien etc.) ist nicht nur eine Werkschau Dürers samt Zeitgenossen und Nachfolgern, sondern Originalblätter seines Reisejour- nals sowie weitere Dokumente komplettieren die Schau zu einem kunst-, kultur- und gesellschaftshistorischen Gesamt- bild der Reise eines selbstbewussten "Künstlerfürsten" der Renaissance, bei dem ökonomische Cleverness und huma- nistisches Interesse eng mit seinem künstlerischen Talent verbunden waren. Eckard Andersson Anlass der Reise war die Sicherung seiner von der Stadt Nürnberg ausgezahlten kaiserlichen Leibrente, die durch den Herrscherwechsel nach dem Tode Kaiser Ma- ximilians gefährdet war, aber durch den Nachfolger, Karl V., nach dessen Krönung in Aachen bestätigt wurde. Die Reise begann am 12. 07. 1520: Aus dem pestbefal- lenen Nürnberg reiste Dürer mit Frau und Magd nach Bamberg, wo er vom Bischof Steuerbefreiung für die 34 (!) Zollstationen bis Köln erhielt. Dürer, der wie ein veri- tabler Star oft mit Banketten und Weingeschenken empfangen wurde, führte wie ein Geschäftsmann eine Art Kostenbuch, das alle Ausgaben und Einnahmen sowie Be- gegnungen mit Zeitgenossen (u. a. Erasmus von Rotterdam) und Porträtaufträge, 10 die er erhielt, verzeichnete und wohl von vorneherein zur Publikation bestimmt war. Außer- dem füllte er ein Skizzenbuch mit Zeichnungen (Tinte, Kohle, Kreide, Silberstift), die er bei Gelegenheit, u. a. auch in Wartezeiten, manchmal in einer halben Stunde anfertigte, wobei vor allem seine Meisterschaft in der geschickten Oberflächenbehandlung eines menschli- chen Gesichts oder auch eines von einem Teppich abgezeichneten Walrosskopfes sichtbar wird. Manche Skizze wurde auch wie ein Gemälde auf Holz aufgezogen oder diente wirklich als Vorstufe zu einem Gemälde. So diente ihm die Porträtzeichnung eines 93-jährigen Man- nes als Vorlage für ein Gemälde, auf dem Hieronymus nicht als Heiliger mit kirchlich-religi- ösen Attributen (Kardinalshut, Löwe) nach der herkömmlichen Ikonographie dargestellt ist, sondern als selbständig denkender Mensch der Renaissance und des Humanismus, als lebendiges Memento mori mit dem Totenkopf. Am Ende der ertragreichen Reise steht für Dürer allerdings eine schwere Krankheit, an der er 1528 mit 57 Jahren stirbt. Architekturgeschichtlicher Rundgang durch das Kreuzviertel Den meisten Teilnehmern des CC-Spaziergangs dürfte das Kreuzviertel durchaus nicht unbekannt gewesen sein. Aber wohl für alle war an diesem Samstagnachmittag im September viel Neues, Un- bekanntes zu entdecken. Unter der fachkundigen Anleitung von Professor Martin Korda haben wir auch Altbekanntes neu zu sehen gelernt. Wir ha- ben erfahren, dass dieses Stadtviertel, benannt nach einer im Mittelalter üblichen Kreuztracht vom Dom nach Kinderhaus, nach der Schleifung der Stadtmauer allmählich entstand, als Münsters „Neustadt“ nördlich der Altstadt, auf einem Gebiet, das zuvor vielen Kleingärten Raum bot, mit winterfesten Lauben. Manfred Niehoff